dm-drogerie markt
Deutschlands beliebtester Arbeitgeber ist ein Kultur-Fall, kein Struktur-Fall
dm ist die deutsche Referenz für dialogische Führung: Die Märkte planen Dienstpläne und Bestellmengen selbst, die anthroposophische Idee des Gründers vom selbstbestimmten Mitarbeiter zieht sich durch alles, und das Unternehmen wächst weiter. Aber Sortiment, Preise, Ladenbau und Einkauf sind zentral, und der Chef sagt das selbst.
Zuletzt geprüft: 16. September 2026
Warum dieser Stand
Wirtschaftlich und kulturell stark, und das Modell hat den Tod des Gründers 2022 überlebt. Aber die Dezentralisierung ist nur auf der Ebene des Marktbetriebs real; die Struktur ist ein konventioneller Händler mit ungewöhnlicher Führungskultur.
Was ihn zum Beta-Fall macht
- Dialogische Führung (Götz Werner, mit Karl-Martin Dietz): Entscheidungen werden im Dialog vorbereitet, die Marktleitung ist Kollege, nicht Vorgesetzter; Ausbildung ist als Persönlichkeitsentwicklung angelegt.
- Marktautonomie im Betrieb: Dienstpläne, Bestellmengen und lokale Aktionen entscheidet der Markt.
- Subsidiarität als erklärtes Prinzip: „so wenig wie möglich zentral regeln“ (Christoph Werner, Februar 2026).
- Keine individuellen Verkaufsziele in den Märkten, keine Bonuskultur, überdurchschnittliche Bezahlung in der Branche.
Was belegt ist
- Geschäftsjahr 2024/25 (bis 30. September 2025): Umsatz 19,2 Mrd. € (+8,2 %), Deutschland 13,28 Mrd. € (+6,5 %), 93.426 Beschäftigte, 4.189 Märkte (2.154 in Deutschland), mehr als 250 Mio. € Investitionen geplant. Der Gewinn wird nicht veröffentlicht.
- Top-Arbeitgeber Platz 1 im stern/Statista-Ranking 2025; der Tod des Gründers 2022 hat weder die Führungssprache noch das Wachstum verändert.
- Christoph Werner (CEO seit 2019) beschreibt Subsidiarität weiter als Betriebsprinzip.
Wo es Risse gibt
- Derselbe CEO räumt ein, dass „viele Entscheidungen zentralisiert sind“. Sortiment, Preise, Ladenbau, Lieferkette und Marketing sind zentral; im Dezember 2025 wurde der Einkauf unter drei Sortimentschefs neu geordnet; SAP S/4HANA wird konzernweit ausgerollt.
- Die Marktautonomie endet bei Dienstplan, Bestellmengen und lokalen Aktionen. Es gibt keine Markt-Gewinn- und Verlustrechnung, keine relative Ligatabelle, keine Preishoheit.
- Arbeitskonflikte gibt es: ver.di-Kritik an einem Verteilzentrum 2023, ein „Union-Busting“-Vorwurf 2024 wegen einer Klage gegen einen Betriebsratsvorsitzenden (per Vergleich beendet).
- Der Gewinn wird nicht veröffentlicht, die wirtschaftliche Aussage stützt sich auf Umsatzwachstum und Rankings, nicht auf Margen.
Urteil
dm gehört in die Liste, weil es zeigt, dass eine menschliche Führungskultur mit 93.000 Menschen und 8 % Wachstum vereinbar ist. Es gehört nicht als Beta-Struktur in die Liste. Die ehrliche Beschreibung: ein zentral geführter Händler, der seine Marktmitarbeiter als Erwachsene behandelt. Das ist mehr als die meisten, und weniger als Beta.
Für den Vortrag
dm beweist, dass es gutes Geschäft ist, 93.000 Menschen als Erwachsene zu behandeln. Es beweist nicht, dass der Markt das Unternehmen ist.
Quellen
- dm Newsroom: Geschäftsjahr 2024/25 (2025-10)
- Markt und Mittelstand: Interview Christoph Werner (2026-02)
- Supermarkt Inside: dm strukturiert die Geschäftsführungsbereiche neu (2025-12)
- Lebensmittel Zeitung: dm verteilt Verantwortung für Sortimente neu (2025-12)
- Oliver Wyman Podcast: Christoph Werner - Eintauchen und wirklich verstehen (2025-04)
- AustriaWiki: dm-drogerie markt (ver.di-Kritik 2023/2024) (2024)
Weiterlesen
- Die drei Strukturen (Bibliothek)
- Warum Steuerung nicht mehr funktioniert (Bibliothek)
- So ist diese Organisation in BetaOS modelliert